Arbeit und Sinn im Personalmarketing: Brauchen gute Jobs einen Sinn?

Arbeit muss dem Leben einen Sinn geben. Wir hatten sicher alle schon mal so einen frustrierenden, anstrengenden, „sinnlosen“ Tag auf Arbeit und lagen daraufhin nachts wach und haben gegrübelt. Macht das eigentlich alles einen Sinn?

 

In Stellenanzeigen wird immer häufiger von „sinnvollen Aufgaben“ gesprochen. Da heißt es: „Hier kannst du etwas bewegen“. Und das nicht nur im sozialen Sektor, sondern auch in Banken, Produktionsstätten oder im Callcenter. Da frage ich mich: Hat der Arbeitsmarkt überhaupt genügend Sinn für alle parat? Und vor allem: Wollen die das überhaupt?

 

Der DGB Index Gute Arbeit hat zum Thema „Sinn der Arbeit“ spannende Ergebnisse veröffentlicht. 67 Prozent der Deutschen haben das Gefühl, einen wichtigen oder sehr wichtigen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ganze 89 Prozent sind der Meinung, dass sie (zumindest) in ihrem Betrieb eine wichtige oder sehr wichtige Rolle einnehmen. Das klingt doch erst mal gar nicht so schlecht.

 

Doch in den Medien sieht man sie – die Menschen, die ihre schnöden „Alltagsjobs“ gekündigt haben, um endlich etwas viel bedeutenderes zu tun, etwas das sie voll und ganz erfüllt. An sich alles gut und schön, aber auch gefährlich.  Wenn wir nur noch Schulen in Tansania errichten oder Bundeskanzlerin werden wollen, entwertet das nicht all die anderen spannenden „Alltagsjobs“? Sie erscheinen uns banal, sinnlos und alltäglich. Und das macht unglücklich. Und diejenigen, die den Sprung in etwas völlig Neues wegen, dürften enttäuscht sein, wenn sie feststellen, dass das Leben nun einmal aus Alltag besteht. Für dich, für mich und sogar für die Bundeskanzlerin. 

 

Das Thema „Sinn“ im Personalmarketing

Wir können daher unser Personalmarketing mit Sinn überladen, in der Hoffnung, dass die sinnsuchenden Kandidaten anbeißen. Die Frage ist nur, wie sie reagieren werden, wenn sie feststellen, dass auch dieser Job irgendwann aus Alltag besteht.

Grundsätzlich ist jedoch nahezu jede Art von Arbeit sinnstiftend, solange sie anderen nützt. Der Hausmeister sorgt dafür, dass die Bewohner sicher und einwandfrei wohnen können. Die Kosmetikerin trägt dazu bei, dass sich die Kunden schön und wohl in ihrer Haut fühlen und der Bäcker deckt mit seinen Brötchen ein wichtiges Grundbedürfnis ab.

Nichtdestotrotz sollte man beim Personalmarketing nicht ausschließlich auf den „Sinn“ hinter dem zu besetzenden Job setzen. Wenn ein Arbeitgeber den Sinn des Lebens verspricht, riskiert er schließlich die Frustration des zukünftigen Mitarbeiters. Es liegt immerhin bei jedem selbst, ob der eigene Sinn des Lebens bei der Arbeit liegt oder vielleicht ganz woanders. Diesen als Teil der Benefits zu versprechen wäre alles andere als fair. Schauen wir doch lieber auf die anderen Vorteile, die wir als Arbeitgeber bieten können. Aspekte wie:

 

  • Ein festes, verlässliches Einkommen
  • Ein sicherer Arbeitsplatz
  • Kreative Möglichkeiten
  • Anerkennung
  • Soziale Beziehungen
  • Die Achtung bzw. der Schutz der Gesundheit

 

sind bei den meisten Kandidaten weiterhin hoch im Kurs. Außerdem lohnt es sich, bei der Entwicklung eines Personalmarketing-Konzepts, einen genauen Blick auf die Zielgruppe zu werfen. In meiner Masterarbeit zum Thema „Gute Arbeit in der Personalberatungsbranche“ konnte ich feststellen, dass die Bedürfnisse und Wünsche der (potenziellen) Bewerber je nach Branche sehr unterschiedlich sein können. 

 

Wichtige Aspekte guter Arbeit in der Personalberatungsbranche

Zu den wichtigsten Merkmalen guter Arbeit in dieser Branche zählte die attraktive und erfolgsbasierte Vergütung. Die Befragten gaben an motiviert zu sein, wenn sie dafür eine überdurchschnittliche Entlohnung erhalten. Nichtsdestotrotz wurde die monetäre Vergütung nicht als das wichtigste Merkmal genannt. Es wurde immer wieder betont, dass die weiteren Rahmenbedingungen für sie noch bedeutsamer sind.

 

Soziale Beziehungen, also eine vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehung zu den Kollegen, wurde ebenso geschätzt. Wäre das Verhältnis im Unternehmen eher von Kühlheit geprägt, so würden einige von ihnen den Job wechseln wollen. Auch Freude und Leidenschaft bei der Arbeit zählten zu den wichtigen Faktoren guter Arbeit. Der Job sollte den Mitarbeitern Spaß machen. Das gelingt vor allem, wenn sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren können und die Möglichkeit haben, sich immer tiefer in den Job einzuarbeiten und Entscheidungen eigenständig treffen können. 

 

Auch das Thema Führung und Kommunikation war für die Befragten enorm wichtig. Der Führungsstil soll demnach vertrauensvoll und auf Augenhöhe stattfinden. Die Befragten wünschen sich eine persönliche Beziehung zu Ihrer Führungskraft und einen respektvollen Umgang miteinander. Darüber hinaus soll die eigene Arbeit nur wenig kontrolliert und reglementiert werden.

 

Das Thema „Sinn“ der eigenen Tätigkeit wurde von den Befragten in dieser Studie kaum aufgegriffen. 

 

Fazit

Dieser Artikel soll nicht vermitteln, dass die Sinnfrage im Employer Branding und Personalmarketing völlig außen vor gelassen werden soll. Vielmehr ist er ein Plädoyer dafür, die Sinnfrage wieder auf ein „normales“ Maß zurückzudrehen und sich auf all die anderen wichtigen Aspekte guter Arbeit zu konzentrieren. Denn nach der Frage nach dem Sinn kommt sicherlich irgendwann auch die Frage nach dem Gehalt. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Christian B. Rahe - gutabe.de (Freitag, 29 März 2019 13:07)

    Als BewerbungsCoach habe ich mich zu Beginn meiner Arbeit vor rund 10 Jahren noch gewundert, wie gerne manche Menschen angeblich langweilige oder anstrengende Tätigkeiten ausüben. Doch mittlerweile habe ich z. B. viele BuchhalterInnen kennengelernt, die ambitioniert Tag für Tag Zahlen in die EDV tippen und nach Differenzen suchen. Oder PflegerInnen, die trotz hoher Anforderungen, körperlicher Anstrengung und geringer Bezahlung sich sehr für ihren Job und die Menschen einsetzen. Sogar ProduktionsmitarbeiterInnen, die monotone Aufgaben an Maschinen über viele Stunden am Tag bewerkstelligen, fühlen sich durchaus am rechten Platz dabei.
    Meiner Erfahrung nach ist Sinn bei der Arbeit nicht unbedingt etwas Hohes, Abgehobenes oder mit einem riesigen Impact verknüpft. Vielmehr ist es das Empfinden jedes Einzelnen, sich mit der eigenen Aufgabe und den Zielen zu identifizieren. Und dabei kann jeder gute Arbeitgeber durchaus unterstützen. Wertschätzung jeder Tätigkeit und aller Mitarbeiter auch auf persönlicher Ebene, die Vermittlung (bzw. überhaupt das Erkennen) einer Unternehmensmission und eine positive Rückmeldung über Erreichtes gibt vielleicht keinen Sinn, aber ermöglicht einen Zugang, diesen wahrzunehmen.