Wie du es schaffst, im HR Alltag nicht durchzudrehen...

In meinem Job als HR Generalistin gab es eins selten: Langeweile. Die Kombination aus Recruiting und Personalbetreuung machte die Stelle unglaublich vielseitig, aber eben manchmal auch unglaublich stressig. Man huscht zwischen zwei Interviews kurz zum Laptop, um noch schnell eine Mail abzuschicken, da stehen plötzlich zwei Mitarbeiter vor der Tür, die gerne jetzt eine Frage zu Ihrer Abrechnung geklärt hätten. Manchmal ein echter Drahtseilakt. Um in so einem dynamischen Alltag nicht den Kopf zu verlieren und durchzudrehen, können dir die folgenden Tipps helfen.

1. Schaffe dir Routinen

Mir persönlich hilft es sehr, wenn ich in meinem Arbeitsalltag Strukturen habe. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, sich Routinen zu schaffen. Bewerberrunde für Projekt A - immer Mittwoch Vormittag. Anhörungen für den Betriebsrat vorbereiten - immer Donnerstag Morgen. Verträge erstellen und versenden - immer Freitags. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich immer zu 100 Prozent an diese Zeiten halten muss. Schließlich kommen gerne auch mal unvorhersehbare Aufgaben hinzu. Ein Reporting hier, ein wichtiger Abstimmungscall da. Regeln, beziehungsweise Routinen, sind ja bekanntlich dazu da, gebrochen zu werden. Wichtig ist aber trotzdem, sich bestimmte Routinen zu erarbeiten, da Sie die Arbeitswoche strukturieren und so nicht alles auf einmal auf dich hereinbricht.

Genauso hilfreich kann es sein, sich ab und zu bewusst Freiräume im Kalender zu blocken. Zum einen kannst du dadurch auch unvorhergesehene Aufgaben spontan erledigen und zum anderen die Zeit aktiv nutzen, um auch mal einen Schritt zurückzutreten und das große Ganze zu betrachten. Vielleicht fällt dir hier und da eine Schwachstelle in deinem Prozess auf, die du gerne ändern möchtest. Andernfalls hast du hier auch mal die Gelegenheit, an deinen Herzensthemen weiterzuarbeiten. Die fallen im stressigen Alltag nämlich gerne mal hinten runter.

2. Eat the frog

Eine Taktik, die sich bei mir bisher immer bewehrt hat. „Eat the Frog“ ist eine Selbstmanagement-Strategie, die Martin Krengel in seinem Bestseller Golden Rules (Regel 22) erklärt hat. Jeder hat so etwas bestimmt schon Mal erlebt:

Ich komme ins Büro und fahre den Rechner hoch. Da fällt mir dieses abgestorbene Blatt an meiner Büropflanze auf. Erst mal abzupfen und mal eben Wasser holen, um sie zu gießen. In der Küche am Wasserhahn fällt mir dann auf, dass ich ja gleich noch Kaffee kochen könnte. Zurück im Büro ist der Rechner hochgefahren. Ich öffne mein E-Mail-Postfach. 36 neue Mails. Ich fange an die ersten Nachrichten abzuarbeiten. Plötzlich steht die nette Kollegin von nebenan im Büro und fragt, ob ich ihr kurz dabei helfen kann, die zwei Flipchart-Ständer in den dritten Stock zu bringen. Klar, kein Problem. Im Fahrstuhl auf dem Rückweg ins Büro trieffe ich einen Kollegen aus meinem Betreuungsbereich, der eine Frage zu seinem Arbeitszeitkonto hat. „Das können wir doch direkt klären..“ Kaum ist der Kollege aus meinem Büro wieder raus, falle ich beim Blick auf die Uhr fast vom Stuhl: Gleich Mittag.

Ja, wir verzetteln uns gern. Ablenkungen sind meistens willkommen. Und der Schweinehund freut sich, da wir diese eine blöde Aufgabe wieder nicht ‚geschafft‘ haben. Deshalb solltest du ihm einen Strich durch die Rechnung machen, indem du morgens deine wichtigste Tagesaufgabe zuerst erledigst. Und egal, was später am Tag noch passiert, du kannst sicher sein, dass der Löwenanteil schon erledigt ist. Und was hat das jetzt mit einem Frosch zutun? Ein Frosch ist glitschig und schwer zu greifen. Er nervt uns mit seinem ständigen Gequake und zieht permanent unsere Aufmerksamkeit auf sich. Der Frosch steht damit sinnbildlich für all die Aufgaben, die du unangenehm findest und deshalb vor dir her schiebst.

3. Achte auf dich selbst!

Auch wenn dein Arbeitstag noch so gut durchgeplant und organisiert ist, gibt es Phasen, die wahnsinnig stressig sind. Da sind einfach Hochleistungen und 150 Prozent gefragt. Kein Thema, du bist ja schließlich absolut motiviert. Trotzdem sollte man in solchen Situationen sich selbst und sein Umfeld nicht vergessen. Auf der einen Seite hat dein permanenter Stresspegel Auswirkungen auf dein Privatleben, auf die Zusammenarbeit mit Kollegen, aber genauso auch auf deine Bewerber. Denn sind wir mal ehrlich: Wer möchte schon mit so einer abgestressten Personalerin sprechen, die mit den Gedanken doch gar nicht bei der Sache ist? Das macht nicht nur keinen guten Eindruck, Stichwort Candidate Experience, sondern ist auch einfach auf Dauer für dich nicht gesund. Achte deshalb darauf, dass du nicht in Arbeit versinkst und räume dir unbedingt regelmäßig Zeit für dich selber ein.

4. Bleib am Ball und lerne von den Besten

Auch wenn dein Arbeitsalltag häufig stressig ist, solltest du dir regelmäßig die Zeit nehmen, um dein Netzwerk zu pflegen - egal ob privat oder geschäftlich. Irgendwie ist jeder mit jedem verbunden. Und wenn alles gut läuft, können daraus jede Menge Win-Win-Situationen entstehen. Hast du ein wertvolles HR-Netzwerk, auf das du zurückgreifen kannst, kann dir dieses auf verschiedenste Art und Weise helfen. Ob ein inspirierendes Gespräch auf einem Networking-Event, ein guter Rat bei einem Kaffee in der Mittagspause oder ein spannender Vortrag auf dem HR Innovation Day. All das hilft dir, immer besser zu werden und Dinge in deinem Arbeitsalltag zu hinterfragen. Ich persönlich nutze z.B. Blogs und soziale Netzwerke, wie LinkedIn oder Twitter, auch, um mich mit HRlern außerhalb meiner Region zu vernetzen und auszutauschen. Und es tut manchmal auch einfach gut festzustellen, dass man nicht alleine in diesem Boot sitzt und mit all den Herausforderungen des HR-Alltags zu kämpfen hat. Also nutze dein Netzwerk und lerne von den Besten.

Natürlich gibt es kein Allheilmittel gegen Stress im HR-Alltag. Trotzdem können dir diese vier Tipps den Arbeitstag zumindest ein bisschen angenehmer machen.

 

Und falls du den letzten Punkt direkt umsetzen möchtest, freue ich mich natürlich, wenn du dich mit mir vernetzt. ;-) Du findest mich auf Twitter, LinkedIn und Xing.

 

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